Immunoproteasom-Forschung

Prof. Dr. Silke Meiners

Ein genaues Verständnis der Immunregulation in gesunden und erkrankten Lungen ist wichtig, um neue therapeutische Ansatzpunkte für chronische Lungenerkrankungen zu identifizieren. Unsere Forschungsgruppe untersucht die Regulation des proteasomalen Proteinabbaus und der Signaltransduktion an Zellmembranen. Wir untersuchen Lungenepithel- und Immunzellen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Rolle des Proteasoms bei der epithelialen Immunantwort und in Immunzellen. Außerdem analysieren wir die Funktion membranassoziierter Tetraspanine in B-Zellen und Mastzellen sowie deren Dysregulation bei Lungenerkrankungen.

Prof. Dr. Silke Meiners

Ein Forschungsschwerpunkt ist das Immunoproteasom, eine spezialisierte Form des Proteasoms, die eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Immunreaktionen spielt. In Immunzellen wird das Immunoproteasom (i20S) konstitutiv exprimiert, während in Nicht-Immunzellen das Standard-Proteasom (s20S) vorherrscht; i20S kann jedoch durch Entzündungssignale und Infektionen induziert werden (Abbildung 1). Das Immunoproteasom weist eine andere proteolytische Aktivität auf als das s20S und spielt eine Schlüsselrolle bei der Regulierung von Immun- und Stressreaktionen, wie beispielsweise der Aktivierung von CD8-T-Zellen durch die MHC-Klasse-I-Antigenpräsentation bei Virus- und Tumorerkrankungen (Abbildung 2). Die genaue Funktion des Immunoproteasoms in Immunzellen, bei der Reaktion auf Infektionen sowie bei chronischen Lungenerkrankungen wie COPD, Lungenfibrose und Lungentumoren ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Forschung zum Immunoproteasom

Abbildung 1: Standard-Proteasom im Vergleich zum Immunoproteasom. Sogenannte Standard-Proteasome werden in allen Nicht-Immunzellen exprimiert. Nach Stimulation mit Interferonen oder entzündlichen Zytokinen werden die katalytischen Untereinheiten des Immunoproteasoms induziert und lagern sich zu einem aktiven Immunoproteasom zusammen.

 Ziel unserer Forschung ist es, die Rolle des Immunoproteasoms bei der Funktion von Immun- und Parenchymzellen sowie dessen Dysregulation bei Erkrankungen zu untersuchen. Derzeit entwickeln wir neuartige transgene Tiermodelle für die Immunoproteasom-Forschung, die wir zur Validierung spezifischer Immunoproteasom-Inhibitoren als neuen Behandlungsansatz für entzündliche und chronische Erkrankungen einsetzen wollen. Für klinische Studien haben wir Methoden zur systematischen Bestimmung der Proteasomaktivität in peripheren Blutzellen etabliert, um große Patienten- oder Bevölkerungskohorten auf veränderte Proteasomaktivitäten zu untersuchen.

Das Immunoproteasom erfüllt vielfältige Funktionen bei zellulären Immun- und Stressreaktionen.

Abbildung 2: Das Immunoproteasom erfüllt vielfältige Funktionen bei zellulären Immun- und Stressreaktionen.

Unser Schwerpunkt liegt auf der Regulierung der Funktion von B-Zellen und Mastzellen sowie deren Rolle bei der Immunantwort unter physiologischen Bedingungen und bei chronischen Lungenerkrankungen. Insbesondere wollen wir verstehen, wie Membranproteine der Tetraspanin-Familie an der Regulierung der Immunzellfunktion beteiligt sind und ob bzw. wie eine Modulation der Tetraspanin-Funktion zur Behandlung chronischer Lungenerkrankungen genutzt werden könnte. Mithilfe verschiedener genetischer Mausmodelle und einer antikörpervermittelten Tetraspanin-Targeting-Strategie charakterisieren wir zelltypspezifische Interaktionspartner und Funktionen dieser Membranproteine.


Leibniz-Gemeinschaft „ImmunoPROteasomen bei Gesundheit und Erkrankung der Lunge“ – PRO-LUNG

Wir untersuchen hier die These, dass die induzierbare Natur des Immunoproteasoms eine dynamische Anpassung der Proteasomfunktion bei Immun- und Stressreaktionen ermöglicht. Insbesondere wollen wir untersuchen, ob Standard-, Immun- und die verschiedenen Arten von gemischten Proteasomen unterschiedliche Funktionen haben, z. B. durch ihre Lokalisierung in bestimmten Zelltypen oder an bestimmten subzellulären Orten, durch den Abbau unterschiedlicher Substrate oder durch die Interaktion mit definierten Proteasom-Regulatoren. Die Klärung dieser Fragen ist entscheidend für ein detailliertes Verständnis der Funktion des Immunoproteasoms bei Gesundheit und Krankheit. Sie wird den Weg für die Validierung des Immunoproteasoms als therapeutisches Ziel ebnen, wodurch bei Erkrankungen eine spezifische Hemmung einzelner oder mehrerer Immunoproteasom-Untereinheiten mit neuartigen, ortsspezifischen Immunoproteasom-Inhibitoren ermöglicht wird, die derzeit entwickelt werden.


Leibniz-Zentrum für Infektionsforschung: „Geschlechtsspezifische Regulierung der Immunoproteasom-Funktion bestimmt die Reaktion auf Infektionen“ (zusammen mit Bianca Schneider, FZB)

In diesem Projekt untersuchen wir die (biologische) geschlechtsspezifische Regulation des Immunoproteasoms und ob diese möglicherweise zu den stärkeren Immunreaktionen bei Frauen gegen Infektionen beiträgt. Wir nutzen Influenza- und Tuberkulose-bezogene Infektionsmodelle bei weiblichen und männlichen Mäusen, um die mit dem Immunoproteasom verbundene Immunantwort zu analysieren, sowie In-vitro-Zellmodelle für die Behandlung mit Sexualhormonen. Ziel ist es, die molekularen Grundlagen der geschlechtsspezifischen Regulation des Immunoproteasoms aufzuklären, was uns ermöglichen könnte, geschlechtsspezifische Diagnosewerkzeuge zu entwickeln und das Immunoproteasom geschlechtsspezifisch therapeutisch anzusteuern.

Logo des Leibniz-Zentrums für Infektionsforschung

CRC 1713 Immunaktivierung bei der Mutter

„Die Rolle des Immunoproteasoms bei der feto-maternellen Immunaktivierung und der immunologischen Priming des Fötus“

Das Immunoproteasom spielt eine wesentliche Rolle bei der Selektion und Priming von CD8-T-Zellen. Es ist daher von zentraler Bedeutung für die Etablierung der Selbsttoleranz sowie für die antivirale Immunität und Autoimmunreaktionen. In diesem Projekt untersuchen wir die Regulation des Immunoproteasoms durch stress- und infektionsinduzierte mütterliche Immunaktivierung und wie sich dies auf die antiviralen Immunantworten bei der schwangeren Mutter, die Immunpriming im Thymus des Fötus und die Entwicklung von Toleranz beim Nachwuchs auswirkt.

Grafik: CRC 1713 – Immunaktivierung bei der Mutter
SFB 1713-Logo

Prioritätsprogramm SPP2453 Mitostress

„Regulierung des menschlichen Proteasom-Netzwerks unter Stress durch den Import von Proteinen in die Mitochondrien“

Mitochondrien spielen eine zentrale Rolle für den Zellstoffwechsel und die Aufrechterhaltung der Proteostase. Da der Großteil der mitochondrialen Proteine im Zytosol synthetisiert und anschließend importiert wird, ist eine präzise Regulation des mitochondrialen Proteinimports für die Aufrechterhaltung der Zellfunktion unerlässlich. Ziel dieses Projekts ist es, die Regulation des Proteasom-Systems unter mitochondrialen Stressbedingungen detailliert zu charakterisieren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Mechanismen der schnellen Anpassung der Proteasom-Regulierung während eines Stresses beim mitochondrialen Import.

Mitotasis-Logo

Regulierung der MrgprB2-vermittelten Mastzellaktivierung durch das Tetraspanin CD37

Mastzellen (MCs) sind langlebige Wächterzellen des Immunsystems, die allergische und entzündliche Reaktionen steuern. Während das Tetraspanin CD37 als wichtiger Regulator der Signaltransduktion in B-Zellen bekannt ist, ist seine Funktion bei der Mastzellaktivierung bislang kaum erforscht. Hier untersuchen wir, wie CD37 die Mastzellaktivierung reguliert, indem wir zwei genetische Modelle des CD37-Mangels vergleichen. Mastzellen von konventionell CD37-defizienten Mäusen reagierten überempfindlich auf eine IgE-unabhängige, MrgprB2-vermittelte Stimulation. Im Gegensatz dazu zeigten Mastzellen aus mastzell-spezifischen CD37-Knockout-Mäusen keine veränderte Aktivierbarkeit und reagierten normal auf IgE-abhängige und -unabhängige Reize. Die beobachtete IgE-unabhängige Überempfindlichkeit bei konventionell CD37-defizienten Mäusen könnte auf einen Off-Target-Effekt zurückzuführen sein. Um diese Hypothese zu überprüfen, stellen wir die CD37-Expression in CD37-defizienten Mastzellen mittels lentiviraler Transduktion wieder her. Darüber hinaus haben wir ein benachbartes Gen identifiziert, das ein potenzieller neuer Regulator der Mastzellaktivierung ist.


Modulation der B-Zell-Funktion durch epitopspezifische CD37-Targeting bei Mäusen

CD37 ist ein glykosyliertes Membranprotein, das in B-Zellen stark exprimiert wird. Wie andere Tetraspanine ist CD37 an der Regulation eingehender Signale, an lateralen Wechselwirkungen zwischen Membranproteinen und an der intrazellulären Signalverarbeitung beteiligt. In diesem Projekt charakterisieren wir CD37-spezifische monoklonale Antikörper und untersuchen die Auswirkungen einer epitopspezifischen CD37-Targeting-Strategie in vitro und in vivo. Die CD37-spezifischen monoklonalen Antikörper erkennen zwei verschiedene CD37-Epitope.  Die Bindung der Antikörper an CD37 führt in vitro zur Induktion des B-Zell-Zelltods. Bei Mäusen führt die Verabreichung von CD37-AK ebenfalls zu einer Verringerung verschiedener B-Zell-Populationen. Dennoch beobachteten wir auch eine spezifische Immunantwort auf injizierte Antikörper, was auf die Aktivierung bestimmter B-Zell-Populationen hindeutet. In weiteren Experimenten werden wir die Mechanismen untersuchen, die für die B-Zell-Depletion verantwortlich sind und die zur Behandlung chronischer Lungenerkrankungen genutzt werden könnten. Die verstärkte Induktion einer Immunantwort ist hingegen wichtig für die Entwicklung neuer Impfstofftechnologien.


  • European Respiratory Journal

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    Antiviral CD8+ T-cell immune responses are impaired by cigarette smoke and in COPD

    Chen J, Wang X, Schmalen A, Haines S, Wolff M, Ma H, Zhang H, Stoleriu MG, Nowak J, Nakayama M, Bueno M, Brands J, Mora AL, Lee JS, Krauss-Etschmann S, Dmitrieva A, Frankenberger M, Hofer TP, Noessner E, Moosmann A, Behr J, Milger K, Deeg CA, Staab-Weijnitz CA, Hauck SM, Adler H, Goldmann T, Gaede KI, Behrends J, Kammerl IE, Meiners S

  • Nature Cancer

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    The proteasome regulator PSME4 modulates proteasome activity and antigen diversity to abrogate antitumor immunity in NSCLC

    Javitt A, Shmueli MD, Kramer MP, Kolodziejczyk AA, Cohen IJ, Radomir L, Sheban D, Kamer I, Litchfield K, Bab-Dinitz E, Zadok O, Neiens V, Ulman A, Wolf-Levy H, Eisenberg-Lerner A, Kacen A, Alon M, Rêgo AT, Stacher-Priehse E, Lindner M, Koch I, Bar J, Swanton C, Samuels Y, Levin Y, da Fonseca PCA, Elinav E, Friedman N, Meiners S, Merbl Y

  • The EMBO Journal

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    DNA sensing via the cGAS/STING pathway activates the immunoproteasome and adaptive T‐cell immunity

    Wang X, Zhang H, Wang Y, Bramasole L, Guo K, Mourtada F, Meul T, Hu Q, Viteri V, Kammerl I, Konigshoff M, Lehmann M, Magg T, Hauck F, Fernandez IE, Meiners S

  • European Respiratory Journal

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    Activation of immune cell proteasomes in peripheral blood of smokers and COPD patients: implications for therapy

    Kammerl IE, Hardy S, Flexeder C, Urmann A, Peierl J, Wang Y, Vosyka O, Frankenberger M, Milger K, Behr J, Koch A, Merl-Pham J, Hauck SM, Pilette C, Schulz H, Meiners S

  • Cell Reports

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    Mitochondrial Regulation of the 26S Proteasome

    Meul T, Berschneider K, Schmitt S, Mayr CH, Mattner LF, Schiller H, Yazgili A, Wang W, Lukas C, Prehn C, Adamski J, Graf E, Schwarzmayr T, Perocchi F, Kukat A, Trifunovic A, Kremer L, Prokisch H, Popper B; von Toerne C, Hauck SM, Zischka H, Meiners S